Sie kennen das: Sie suchen eine Telefonnummer, klicken auf eine Website, und bevor Sie irgendetwas sehen, legt sich ein Fenster über den Bildschirm. Einstellungen, Details, Alle akzeptieren. Sie klicken weg, ohne zu lesen, wie alle anderen auch.
Diese Seite hier hat kein solches Fenster, und den meisten Websites, die ich baue, geht es genauso. Das ist kein Trick und keine Grauzone, sondern eine Folge davon, wie die Seiten gebaut sind. Und es ist auch keine Grundsatzhaltung: Wo ein Banner sinnvoll ist, gehört er dazu. Dazu später mehr.
Warum es Cookie-Banner überhaupt gibt
Der Kern ist schnell erklärt. Sobald eine Website etwas auf Ihrem Gerät speichert oder ausliest, das für den Betrieb nicht zwingend nötig ist, braucht sie dafür Ihre Erlaubnis. Genau diese Erlaubnis holt der Banner ein.
Das Entscheidende steckt in den Worten „nicht zwingend nötig“. Was eine Seite technisch braucht, um überhaupt zu funktionieren, ist erlaubt, ohne zu fragen. Ein Warenkorb, der sich merkt, was Sie hineingelegt haben, braucht keinen Banner. Ein Analysewerkzeug, das protokolliert, wie lange Sie wo waren, schon.
Der Banner ist nicht die Ursache, er ist die Folge. Die eigentliche Frage lautet: Warum will diese Website etwas von mir, das sie zum Funktionieren nicht braucht?
Was auf einer typischen Website den Banner auslöst
In den allermeisten Fällen sind es dieselben vier Verdächtigen. Sie stecken oft schon in der Vorlage oder in Plugins, ohne dass der Betreiber davon weiß.
- Schriften von einem fremden Server. Wenn Schriftarten direkt bei einem Anbieter wie Google geladen werden, geht bei jedem Seitenaufruf die IP-Adresse des Besuchers dorthin. Das ist der Klassiker, und in vielen Fällen fällt es nicht einmal auf, weil es in der Vorlage steckt.
- Statistik- und Analysewerkzeuge. Alles, was Besucher zählt und auswertet, greift in der Regel auf das Endgerät zu und braucht deshalb eine Einwilligung.
- Eingebettete Videos und Karten. Ein YouTube-Video oder eine Karte im Kontaktbereich lädt Inhalte von einem anderen Anbieter, oft samt Kennungen. Das passiert bereits beim Laden der Seite, nicht erst beim Klick.
- Plugins und externe Dienste. Bewertungs-Widgets, Chat-Fenster, Schriftbibliotheken, Werbeanbindungen. Jedes davon holt Daten von außen.
Auffällig ist: Nichts davon ist für einen Handwerksbetrieb oder eine Praxis wirklich notwendig. Es ist einfach da, weil es bequem ist oder weil es die Vorlage so mitbringt.
Wie ich es stattdessen mache
Der Ansatz ist unspektakulär. Alles, was die Seite braucht, liegt auf dem eigenen Server. Was nicht gebraucht wird, kommt gar nicht erst rein.
- Schriften liegen lokal. Sie werden vom selben Server geladen wie die Seite. Es entsteht keine Verbindung zu einem Dritten, also gibt es dafür auch nichts einzuwilligen.
- Kein Tracking. Ich baue keine Analysewerkzeuge ein. Was ich über den Erfolg einer Seite wissen muss, sehe ich an den Anfragen, die ankommen.
- Keine Einbettungen im Hintergrund. Wo eine Karte sinnvoll ist, wird sie erst geladen, wenn jemand sie anklickt, oder es steht schlicht die Adresse da, die man selbst in seine Navigation tippen kann.
- Keine Plugin-Sammlung. Die Seiten sind handgebaut, nicht aus dreißig Erweiterungen zusammengesteckt. Was nicht eingebaut ist, kann auch nichts nach draußen senden.
Was Sie davon haben, abgesehen vom fehlenden Fenster
Der verschwundene Banner ist ehrlich gesagt der kleinste Vorteil. Interessanter ist, was sonst noch passiert, wenn eine Seite nichts von außen nachlädt.
| Was sich ändert | Warum das zählt |
|---|---|
| Die Seite lädt schneller | Jeder Fremddienst bedeutet eine zusätzliche Verbindung. Fallen sie weg, ist die Seite spürbar früher da, besonders bei schlechtem Mobilfunkempfang |
| Weniger Absprünge | Wer erst ein Fenster wegklicken muss, springt eher ab. Vor allem, wenn er nur schnell eine Telefonnummer sucht |
| Weniger Angriffsfläche | Was nicht eingebaut ist, kann keine Lücke haben. Das betrifft vor allem Seiten mit vielen Plugins |
| Ruhe bei Rechtsfragen | Wo keine Daten an Dritte fließen, gibt es auch nichts, worüber gestritten werden kann |
| Ein gutes Gefühl beim Besucher | Eine Seite, die nichts will außer zu informieren, wirkt vertrauenswürdiger. Das merken Menschen, auch ohne es benennen zu können |
Wann ein Banner genau richtig ist
Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Ein Cookie-Banner ist kein Makel. Es gibt Fälle, in denen er dazugehört, und dann ist er eine bewusste unternehmerische Entscheidung, kein Fehler.
- Sie schalten ernsthaft Werbung. Wer mit echtem Budget Anzeigen bei Google oder in sozialen Netzwerken schaltet, muss messen können, welche Anzeige zu einer Anfrage geführt hat. Ohne diese Messung verbrennen Sie Geld, weil Sie im Blindflug optimieren. Und Messung setzt eine Einwilligung voraus.
- Sie betreiben einen Shop mit Zahlungsanbietern, Versanddienstleistern und Auswertung des Kaufverhaltens.
- Sie arbeiten regelmäßig an Ihren Inhalten und brauchen belastbare Zahlen dazu, was gelesen wird und was nicht.
Die Frage ist nicht, ob ein Banner gut oder schlecht ist. Die Frage ist, ob Sie die Daten, für die Sie ihn brauchen, tatsächlich nutzen werden. Wer Werbung mit Budget betreibt, braucht sie. Wer nur alle zwei Jahre in eine Statistik schaut, nicht.
Wenn Sie in einer dieser Situationen sind, lautet die richtige Antwort nicht, auf den Banner zu verzichten, sondern ihn ordentlich zu bauen: sparsam bei dem, was wirklich gemessen wird, verständlich formuliert, mit einem Ablehnen-Knopf, der genauso leicht zu finden ist wie das Akzeptieren, und mit Skripten, die erst nach der Einwilligung laden.
Genau so setze ich das dann auch um. Ein schlanker, selbst gebauter Banner statt eines zugekauften Werkzeugs, das die Seite ausbremst und beim ersten Besuch erst einmal selbst nachgeladen werden muss.
So finden Sie heraus, wie Ihre Seite dasteht
Das können Sie in zwei Minuten selbst prüfen, ganz ohne Werkzeuge.
- Öffnen Sie Ihre Website in einem privaten Fenster, damit alte Einstellungen nicht stören.
- Achten Sie darauf, was passiert, bevor Sie irgendetwas anklicken. Kommt ein Banner?
- Wenn ja, klicken Sie auf „Einstellungen“ statt auf „Akzeptieren“. Dort steht meist aufgelistet, welche Dienste eingebunden sind. Oft ist die Liste überraschend lang.
- Fragen Sie sich bei jedem Eintrag: Brauche ich das? Weiß ich überhaupt, was es tut?
Was Sie dort finden, ist ein guter Anhaltspunkt dafür, wie Ihre Website gebaut wurde. Eine lange Liste bedeutet nicht automatisch, dass etwas falsch läuft. Sie bedeutet aber, dass jemand Entscheidungen für Sie getroffen hat, von denen Sie vielleicht nichts wissen.
Aber brauche ich nicht wenigstens Besucherstatistiken?
Das ist die Frage, die an dieser Stelle fast immer kommt, und sie ist berechtigt. Meine Gegenfrage lautet: Was würden Sie mit den Zahlen tun?
Bei großen Portalen ist die Antwort klar. Dort wird laufend getestet, welche Überschrift besser läuft, welcher Knopf häufiger geklickt wird. Dafür braucht es belastbare Daten, und der Aufwand lohnt sich.
Bei einem Handwerksbetrieb mit acht Unterseiten sieht das anders aus. Dort landen die Zahlen erfahrungsgemäß in einem Bericht, den nach drei Monaten niemand mehr öffnet. Die Frage, die Sie wirklich interessiert, lautet ohnehin nicht „Wie viele Besucher hatte ich?“, sondern „Kommen Anfragen rein, und von wem?“
Das sehen Sie ohne jedes Werkzeug: an den Formularen, die ankommen, und an den Anrufen. Wer wissen will, woher jemand kam, kann im Erstgespräch schlicht fragen. Diese eine Frage liefert meist bessere Antworten als jede Statistik.
