„Was kostet denn so eine Website?“ Diese Frage kommt in fast jedem Erstgespräch, meistens in den ersten fünf Minuten. Und sie ist völlig berechtigt. Trotzdem wäre jede Zahl, die ich Ihnen an dieser Stelle nenne, geraten.
Das klingt nach Ausrede, ist aber keine. Fragen Sie einen Schreiner, was ein Tisch kostet. Er wird zurückfragen: Für wie viele Personen, welches Holz, ausziehbar oder nicht? Bei Websites ist es genauso, nur dass man es dem fertigen Produkt schlechter ansieht.
Deshalb dreht dieser Artikel die Frage um. Statt einer Zahl bekommen Sie die Faktoren, die den Preis bestimmen. Damit können Sie jedes Angebot beurteilen, auch meins.
Die sechs Faktoren, die den Preis bestimmen
1. Der Umfang
Eine Seite oder fünfzehn? Das ist der offensichtlichste Faktor, aber nicht der wichtigste. Eine durchdachte einseitige Website kann aufwendiger sein als zehn Unterseiten nach Schema F. Entscheidend ist nicht die Anzahl, sondern wie viel davon eigens für Sie gedacht und gebaut wird.
2. Wer die Texte schreibt
Das ist der Punkt, der am häufigsten unterschätzt wird. Texte sind kein Beiwerk, sie sind das, was verkauft. Wenn ein Angebot auffällig günstig ist, lohnt die Frage, wer die Texte liefert. Oft steht dann im Kleingedruckten: der Kunde. Und dann liegt das Projekt sechs Monate, weil niemand zum Schreiben kommt.
3. Individuelles Design oder Vorlage
Eine gekaufte Vorlage anzupassen geht schnell. Sie sieht dann aber aus wie die Seite von zweitausend anderen Betrieben, und meistens merkt man ihr das an. Ein eigenes Design kostet mehr Zeit, dafür sieht niemand sonst so aus wie Sie. Was davon richtig ist, hängt davon ab, wie wichtig Ihnen Wiedererkennung ist.
4. Funktionen jenseits der reinen Darstellung
Ein Kontaktformular hat fast jede Website. Aber sobald es Richtung Buchungssystem, Kundenbereich, Shop, Mehrsprachigkeit oder Schnittstelle zu Ihrer Branchensoftware geht, ändert das die Größenordnung deutlich. Nicht wegen des Aufwands beim Einbauen, sondern weil solche Funktionen getestet, abgesichert und gepflegt werden müssen.
5. Bildmaterial
Eigene Fotos aus Ihrem Betrieb wirken immer besser als gekaufte Bilder. Wenn keine da sind, muss jemand welche besorgen oder erstellen. Das ist kein Riesenposten, wird aber gern vergessen und fällt dann am Ende auf.
6. Technisches Fundament
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, und ausgerechnet hier sieht der Kunde am wenigsten. Wie schnell lädt die Seite? Funktioniert sie auf einem fünf Jahre alten Android-Handy? Versteht Google, worum es geht? Ist sie für Menschen mit Seheinschränkung bedienbar? Das alles kostet Arbeitszeit und ist von außen unsichtbar, bis es fehlt.
Der Preisunterschied zwischen zwei Angeboten liegt selten im Design. Er liegt in den Texten und im technischen Fundament, also genau in den Dingen, die Sie auf einem Screenshot nicht sehen.
Die Kosten, die im Angebot oft fehlen
Eine Website ist kein einmaliger Kauf, sondern hat einen laufenden Anteil. Wer das beim Vergleich zweier Angebote übersieht, vergleicht Äpfel mit Birnen.
| Posten | Wie oft | Worum es geht |
|---|---|---|
| Domain | jährlich | Ihre Adresse im Netz, meist ein kleiner zweistelliger Betrag pro Jahr |
| Hosting | monatlich oder jährlich | Der Server, auf dem die Seite liegt. Preis hängt stark davon ab, was die Seite technisch braucht |
| Betreuung | laufend | Updates, Sicherheit, kleine Änderungen. Bei Systemen wie WordPress praktisch Pflicht, sonst wird die Seite zum Sicherheitsrisiko |
| Inhaltliche Pflege | nach Bedarf | Neue Leistungen, neue Mitarbeiter, neue Öffnungszeiten. Entweder Sie machen es selbst oder jemand macht es für Sie |
| SSL-Zertifikat | jährlich | Heute meist im Hosting enthalten. Falls es extra berechnet wird, nachfragen warum |
Fragen Sie bei jedem Angebot konkret nach: Was zahle ich einmalig, was zahle ich jedes Jahr? Wenn darauf keine klare Antwort kommt, ist das ein Warnsignal.
Warum Baukasten, Freiberufler und Agentur so unterschiedlich kosten
Die drei Wege unterscheiden sich weniger im Ergebnis als in der Struktur der Kosten und darin, wo die Arbeit anfällt.
Der Baukasten
Die monatliche Gebühr ist überschaubar, die eigentlichen Kosten entstehen bei Ihnen: Sie bauen, Sie texten, Sie kümmern sich. Wenn Sie Freude daran haben und Zeit übrig ist, kann das völlig richtig sein. Rechnen Sie Ihre eigenen Stunden mit, dann sehen Sie das echte Bild.
Die Agentur
Sie bekommen ein Team, also Strategie, Design, Text und Technik von verschiedenen Spezialisten. Das ist bei großen Projekten ein echter Vorteil. Sie bezahlen aber auch die Struktur dahinter: Projektleitung, Büro, Abstimmungsrunden. Für einen Handwerksbetrieb mit sechs Seiten ist das oft mehr Apparat als nötig.
Der Freiberufler
Weniger Overhead, direkter Draht, kurze Wege. Der Haken: Es steht und fällt mit einer Person. Fragen Sie deshalb, was passiert, wenn diese Person krank wird oder aufhört, und lassen Sie sich zeigen, dass Sie an Ihre Daten und Zugänge kommen.
Fünf Warnsignale in einem Angebot
- Ein Festpreis ohne Rückfragen. Wer Ihnen eine Zahl nennt, ohne Ihr Geschäft verstanden zu haben, verkauft eine Vorlage.
- Keine Aufschlüsselung. Ein Angebot sollte zeigen, was enthalten ist. Eine Zeile mit einer Summe ist kein Angebot, das ist eine Behauptung.
- Unklare Rechte. Gehören Ihnen Domain, Inhalte und Zugangsdaten? Das muss schriftlich stehen, sonst sind Sie später erpressbar.
- Laufende Kosten fehlen. Wenn Hosting, Domain und Betreuung nicht auftauchen, kommen sie trotzdem, nur später.
- Erfolgsgarantien. „Platz eins bei Google“ kann niemand garantieren. Wer es tut, sagt entweder die Unwahrheit oder meint eine Suchanfrage, die ohnehin niemand stellt.
Wie Sie zu einer belastbaren Zahl kommen
Am schnellsten geht es, wenn Sie vorab drei Dinge für sich klären. Dann kann Ihnen jeder seriöse Anbieter innerhalb weniger Tage ein konkretes Angebot machen.
- Was soll die Website erreichen? Mehr Anfragen? Bewerbungen? Weniger Rückfragen am Telefon? Danach richtet sich alles Weitere.
- Was haben Sie schon? Logo, Fotos, Texte, eine alte Website, ein Google-Profil. Je mehr davon brauchbar ist, desto weniger Aufwand entsteht.
- Wann soll sie live sein? Ein realistischer Termin verhindert, dass das Projekt im Alltag versandet.
Wenn Sie diese drei Punkte beantwortet haben, dauert der Rest nicht lang. Bei mir kommt das Angebot nach dem Erstgespräch kurzfristig, mit klarer Auflistung, was enthalten ist und was jährlich anfällt.
Warum die günstigste Website oft die teuerste ist
Dieser Satz klingt nach Verkäuferspruch, deshalb hier konkret, was gemeint ist. Es geht nicht darum, dass teuer automatisch besser wäre. Es geht um Folgekosten, die im Angebot nicht auftauchen.
Der Fall, den ich am häufigsten sehe
Ein Betrieb lässt sich eine günstige Website bauen. Nach zwei Jahren soll eine neue Leistung dazu, die alte Nummer geändert werden, ein Mitarbeiter raus. Der Ersteller ist nicht mehr erreichbar, die Zugangsdaten hat niemand, das verwendete System ist seit Jahren nicht aktualisiert.
Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Jemand arbeitet sich in eine fremde, veraltete Konstruktion ein, was oft länger dauert als Neubauen. Oder die Seite wird neu gemacht. Beides kostet mehr, als es gekostet hätte, gleich sauber anzufangen.
Die drei Fragen, die das verhindern
- Auf wen läuft die Domain? Sie sollte auf Ihren Namen registriert sein, nicht auf den Ihres Dienstleisters. Das ist ein Anruf beim Anbieter und kostet nichts.
- Wo liegen die Zugangsdaten? Sie brauchen sie nicht täglich, aber Sie müssen jederzeit drankommen. Lassen Sie sie sich geben und legen Sie sie ab.
- Wie sieht der Wechsel aus? Fragen Sie vor dem Auftrag, was passiert, wenn Sie in drei Jahren zu jemand anderem gehen wollen. Die Antwort verrät viel.
Eine Website ist kein Möbelstück, das man einmal kauft. Sie ist eher wie ein Firmenwagen: Der Anschaffungspreis ist nur ein Teil der Rechnung, und wer ihn allein betrachtet, zahlt später drauf.
