Fast jeder Betrieb, mit dem ich spreche, sucht Leute. Gesellen, Azubis, jemanden fürs Büro. Und fast jeder bezahlt dafür Anzeigen auf Stellenportalen, die nach dreißig oder sechzig Tagen ablaufen, egal ob sich jemand gemeldet hat.
Gleichzeitig steht die eigene Website da und erwähnt mit keinem Wort, dass jemand gesucht wird. Oder sie hat eine Seite „Karriere“, auf der ein einziger Satz steht: „Wir freuen uns immer über Initiativbewerbungen an info@…“
Das ist schade, denn die eigene Website kann dieselbe Arbeit übernehmen. Sie läuft nicht ab, sie gehört Ihnen, und sie kann in genau derselben Jobbox bei Google erscheinen wie die Portalanzeige. Kostenlos.
Warum die meisten Karriereseiten nichts bringen
Es liegt selten am Betrieb und fast immer an der Form. Vier Fälle sehe ich immer wieder:
- Es gibt gar keine. Wer auf der Website nichts von offenen Stellen liest, geht davon aus, dass keine frei sind.
- Es gibt eine, aber ohne Inhalt. „Wir suchen motivierte Verstärkung“ sagt dem Leser nichts darüber, ob er gemeint ist.
- Die Stellenanzeige ist ein PDF. Das lässt sich am Handy kaum lesen, und für Google ist es ein Anhang, kein Stellenangebot.
- Alle Stellen stehen auf einer Seite. Dann gibt es keine Adresse, die man einem Bekannten schicken kann, und Google kann die einzelne Stelle nicht erfassen.
Der letzte Punkt ist der folgenreichste, und er klingt technischer, als er ist. Eine Stelle braucht eine eigene Seite mit eigener Adresse, so wie jede Leistung eine eigene Seite hat. Alles andere ist ein Zettel am schwarzen Brett.
Google Jobs: der Teil, den fast niemand nutzt
Wenn jemand „Elektriker Jobs Fulda“ eingibt, zeigt Google oben einen eigenen Kasten mit Stellenangeboten, noch vor den gewöhnlichen Treffern. Diese Stellen stammen nicht nur von Portalen. Google liest sie von jeder Website, die sie maschinenlesbar hinterlegt hat.
Maschinenlesbar heißt: Im Quelltext der Stellenseite liegt ein kleiner Datenblock, in dem Berufsbezeichnung, Ort, Arbeitgeber, Art der Anstellung und das Datum der Veröffentlichung sauber getrennt stehen. Fachleute nennen das JobPosting. Für Sie ist nur wichtig, dass es vorhanden sein muss, sonst taucht die Stelle dort nicht auf, egal wie gut sie beschrieben ist.
Dazu kommt ein Punkt, den viele übersehen: Besetzte Stellen müssen wieder heruntergenommen oder als beendet gekennzeichnet werden. Eine Seite, die seit zwei Jahren einen Gesellen sucht, schadet mehr, als sie nützt. Sie sagt jedem Leser, dass hier niemand bleiben will.
Was auf eine gute Stellenseite gehört
Bewerber lesen anders, als viele Betriebe schreiben. Sie suchen nicht nach Selbstbeschreibung, sondern nach Antworten auf drei Fragen: Was muss ich können, was bekomme ich, und wie komme ich da hin.
Sagen Sie, was es gibt
Arbeitszeiten, Bezahlung oder wenigstens eine Spanne, Fahrzeug, Werkzeug, Fortbildung, Urlaubstage. Was nicht dasteht, wird vermutet, und die Vermutung fällt selten zu Ihren Gunsten aus. Wer beim Gehalt nichts angibt, wird mit dem schlechtesten Angebot in der Gegend verglichen.
Sagen Sie, wer Sie sind
Wie viele Leute arbeiten im Betrieb? Wer ist der Chef, wie heißt er, wie sieht er aus? Ein Foto vom echten Team wirkt stärker als jede Formulierung. Bei einem kleinen Betrieb ist genau das der Vorteil gegenüber der großen Firma zwei Orte weiter: Man weiß, bei wem man anfängt.
Lassen Sie die Floskeln weg
„Dynamisches Team“, „spannende Aufgaben“, „flache Hierarchien“: Diese Sätze stehen in jeder zweiten Anzeige und sagen nichts. Schreiben Sie stattdessen, was in einer normalen Woche tatsächlich passiert. Das ist unspektakulär und genau deshalb glaubwürdig.
Was in einer Stellenanzeige nicht steht, wird vom Leser ergänzt, und zwar fast immer zu Ihren Ungunsten.
Der teuerste Fehler: zu hohe Hürden
Der Satz „Senden Sie uns Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen“ kostet mehr Bewerbungen als jede andere Zeile. Ein Geselle, der abends um neun auf dem Sofa Ihre Seite findet, hat kein Anschreiben, keinen Lebenslauf als PDF und keine Lust, am Wochenende eine Mappe zu bauen. Er klickt weiter.
Was stattdessen funktioniert:
- Ein kurzes Formular: Name, Telefon, was er kann, wann er anfangen könnte. Mehr nicht.
- Unterlagen freiwillig, nicht verpflichtend. Wer eine Mappe hat, kann sie anhängen.
- Eine Nummer für WhatsApp. Für viele ist das die niedrigste Hürde überhaupt.
- Ein Satz dazu, wie es weitergeht: „Sie bekommen innerhalb von zwei Tagen eine Antwort.“ Das kostet nichts und hebt Sie von den meisten ab.
Alles davon muss am Handy funktionieren. Bewerbungen kommen abends und am Wochenende, nicht vom Bürorechner.
Was es kostet, und was es ersetzt
Eine Portalanzeige wird je Stelle und je Laufzeit bezahlt. Läuft sie ab, ist sie weg, auch wenn sich niemand gemeldet hat. Die nächste Suche kostet wieder. Was Sie mit der Zeit aufbauen, gehört dem Portal, nicht Ihnen.
Eine Karriereseite auf der eigenen Website wird einmal eingerichtet. Danach kostet eine neue Stelle nur noch die Zeit, sie einzutragen. Sie steht so lange, wie Sie suchen, sie erscheint in Google Jobs, und sie bringt Ihnen auch zwischen zwei Suchen etwas: Wer über Ihre Leistungen auf die Seite kommt und sieht, dass Sie einstellen, erzählt es im Zweifel weiter.
Das heißt nicht, dass Portale überflüssig sind. Bei einer dringenden Stelle ist eine Anzeige weiterhin sinnvoll. Nur sollte sie auf Ihre eigene Stellenseite verweisen, statt die einzige Spur zu sein, die es von der Suche gibt.
Zwei Dinge, die Sie beachten sollten
In Stellenanzeigen gehört hinter die Berufsbezeichnung der Zusatz „(m/w/d)“. Das ist gängige Praxis und vermeidet Streit darüber, ob jemand wegen seines Geschlechts nicht angesprochen wurde. Formulieren Sie außerdem die Anforderungen so, dass sie sich auf die Arbeit beziehen und nicht auf die Person, also „Führerschein Klasse B“ statt „jung und belastbar“.
Das ist keine Rechtsberatung, sondern der Stand, auf den sich fast alle Betriebe eingependelt haben. Wenn Sie es genau wissen wollen, fragen Sie Ihre Innung oder einen Anwalt. Für Bewerbungsdaten gilt außerdem die Datenschutzerklärung: Dort muss stehen, was mit den Angaben passiert und wie lange sie aufbewahrt werden.
Was Sie heute tun können
- Ihre Website aufrufen und prüfen, ob ein Besucher überhaupt erkennt, dass Sie jemanden suchen.
- Die offenen Stellen aufschreiben, eine je Zeile, mit Berufsbezeichnung und Art der Anstellung.
- Zu jeder Stelle die drei Fragen beantworten: Was muss er können, was bekommt er, wie sieht die Woche aus.
- Ein Foto vom Team oder von der Werkstatt heraussuchen, kein Stockfoto.
- Entscheiden, über welchen Weg sich jemand melden soll, und diesen Weg so kurz wie möglich machen.
Mehr brauchen Sie für den Anfang nicht. Den technischen Teil, also die eigenen Stellenseiten und den Datenblock für Google Jobs, richte ich ein. Das ist Teil der Website und keine Zusatzleistung, über die wir lange verhandeln müssten.
Was hier über Stellen steht, gilt im Kern auch für Kundenanfragen: kurze Wege, echte Belege, keine Floskeln. Welche Stellschrauben dort am meisten bringen, steht im Artikel darüber, wie Ihre Website Aufträge bringt.



