Dieser Anruf klingt jedes Mal ähnlich. Der Betrieb will etwas an der Website ändern, aber derjenige, der sie damals gebaut hat, meldet sich nicht mehr. Oder er meldet sich, will aber nicht herausrücken. Und dann kommt die Frage, auf die niemand eine Antwort hat: Wem gehört das Ganze eigentlich?
Das ist unangenehm, aber fast immer lösbar. Man muss nur wissen, worüber man redet, denn hier werden drei verschiedene Dinge ständig in einen Topf geworfen.
Drei Dinge, die ständig verwechselt werden
| Was | Was es ist | Vergleich |
|---|---|---|
| Domain | Ihre Internetadresse, zum Beispiel mustermann-bedachungen.de. Sie wird jährlich gemietet, nicht gekauft. | Das Schild mit Ihrem Namen an der Straße |
| Hosting | Der Speicherplatz auf einem Server, auf dem die Dateien Ihrer Website liegen. Dort hängen meistens auch die E-Mail-Postfächer. | Das gemietete Gebäude |
| Website | Die Dateien selbst: Texte, Bilder, Gestaltung, Technik. | Die Einrichtung darin |
Jedes dieser drei kann bei einem anderen Anbieter und auf einen anderen Namen laufen. Genau daraus entstehen die Probleme. Sie können die Website wechseln und die Domain behalten. Sie können den Anbieter wechseln und beides mitnehmen. Und Sie können im schlimmsten Fall feststellen, dass Ihnen nichts davon gehört.
Wer die Rechnung bezahlt, ist nicht automatisch der Inhaber. Das sind zwei verschiedene Dinge, und genau diese Lücke führt später zum Streit.
Wer ist eingetragen? So finden Sie es heraus
Für deutsche Adressen, die auf .de enden, führt die DENIC das Verzeichnis. Auf deren Website gibt es eine Abfrage, in die Sie Ihre Domain eingeben können. Dort sehen Sie, ob die Domain vergeben ist und welcher Anbieter sie technisch verwaltet.
Den Namen des Inhabers sehen Sie dort allerdings nicht mehr. Seit der Datenschutz-Grundverordnung werden diese Angaben nicht mehr öffentlich angezeigt. Als Inhaber können Sie die Auskunft aber bei der DENIC selbst anfragen.
Schneller geht es meistens über drei andere Wege:
- Ihre Unterlagen. Suchen Sie die Rechnungen. Wer stellt Ihnen die Domain jährlich in Rechnung? Das ist der Anbieter, bei dem sie liegt.
- Ihr Postfach. Beim Anlegen einer Domain geht eine Bestätigung an eine E-Mail-Adresse. Suchen Sie nach dem Domainnamen in alten Mails, oft findet sich dort der Zugang.
- Der Dienstleister selbst. Fragen Sie freundlich und schriftlich: Auf wessen Namen läuft die Domain, und bei welchem Anbieter liegt sie? Eine klare Antwort darauf ist selbstverständlich.
Was bei einer Domain eingetragen ist
Hinter jeder Domain stehen mehrere Rollen. Für Sie sind zwei davon wichtig:
- Der Inhaber. Die Person oder Firma, der die Domain zugeordnet ist. Der Inhaber entscheidet, was mit ihr passiert. Hier sollte Ihr Betrieb stehen, nicht Ihr Dienstleister.
- Der technische Ansprechpartner. Derjenige, der sie verwaltet. Das darf gern Ihr Dienstleister sein, das ist der normale Fall und völlig unproblematisch.
Steht Ihr Dienstleister als Inhaber eingetragen, ist das für sich genommen noch kein böser Wille. Es passiert oft aus Bequemlichkeit beim Anlegen. Ändern sollte man es trotzdem, und zwar bevor es Anlass dazu gibt.
Der Auth-Code: der Schlüssel für den Umzug
Wenn eine Domain zu einem anderen Anbieter umziehen soll, braucht der neue Anbieter einen Code, der beweist, dass der Umzug gewollt ist. Er heißt Auth-Code oder AuthInfo und besteht aus einer zufälligen Zeichenfolge. Ohne ihn geht kein Umzug.
Diesen Code erzeugt der bisherige Anbieter. Als Inhaber haben Sie Anspruch darauf. Ein Dienstleister, der ihn ohne Begründung verweigert, hält Ihre Adresse fest, und das ist der Punkt, an dem aus einem Ärgernis ein ernstes Problem wird.
Bleiben Sie zunächst sachlich: eine schriftliche Aufforderung per E-Mail, mit einer klaren Frist, und die Bitte um den Auth-Code sowie um die Bestätigung, auf wen die Domain eingetragen ist. Allein die Schriftform löst viele dieser Fälle.
Der Punkt, den fast alle übersehen
An der Domain hängen in der Regel auch Ihre E-Mail-Adressen. Wenn die Domain abläuft oder abgeschaltet wird, ist nicht nur die Website weg. Dann kommt keine Mail mehr an, und zwar sofort und ohne Vorwarnung.
Für einen Betrieb ist das der eigentliche Schaden. Eine Website, die ein paar Tage fehlt, fällt kaum jemandem auf. Ein Postfach, das Angebote und Anfragen verschluckt, merkt man erst, wenn ein Kunde anruft und fragt, warum sich niemand meldet.
Dazu kommt: Eine freigewordene Domain kann jeder registrieren. Bei Betrieben mit etwas Bekanntheit passiert das durchaus, und dann steht unter Ihrer alten Adresse irgendwann etwas, mit dem Sie nichts zu tun haben.
Was Sie heute klären sollten
Auch wenn gerade alles läuft, lohnt sich eine halbe Stunde. Schreiben Sie fünf Dinge auf und legen Sie den Zettel zu den Unterlagen:
- Auf wen ist die Domain eingetragen, und bei welchem Anbieter liegt sie?
- Wo liegt das Hosting, und wer hat die Zugangsdaten?
- Wo liegen die E-Mail-Postfächer? Beim selben Anbieter oder woanders?
- Wer kann Änderungen an der Website vornehmen, und womit?
- Gibt es eine Sicherung der Website, und wann wurde sie zuletzt gemacht?
Wenn Sie keine dieser Fragen beantworten können, ist Ihre Website faktisch eingefroren. Woran man das sonst noch merkt, steht im Artikel darüber, woran Sie merken, dass Ihre Website Kunden kostet.
Wenn Sie eine dieser fünf Fragen nicht beantworten können, klären Sie genau die. Nicht, weil gleich etwas passiert, sondern weil sich das alles in Ruhe klären lässt, solange noch niemand sauer ist.
